Für den deutschen Mittelstand ist die Digitalisierung eine der aktuell größten Herausforderungen. Das gilt auch und gerade für KMUs in ländlich geprägten Regionen fernab der großen Metropolen. Genau diesen Unternehmen hilft Kurt Salman. Er stammt aus der Oberpfalz und ist freiberuflicher Berater für Digitalisierung. Als solcher unterstützt er KMUs aus seiner Region, wenn es um Themen wie Industrie 4.0, New Business Development oder Innovation Management geht. Im Interview mit Nils berichtet er von den größten Herausforderungen, denen sich Mittelständler in Sachen Digitalisierung stellen müssen, und erklärt, wie Networking und das Finden von geeigneten Partnern auch in ländlichen Regionen funktionieren kann.

Die drei entscheidenden Aspekte der Digitalisierung

Um die Digitalisierung von Unternehmen erfolgreich zu gestalten, sind laut Salman drei Aspekte entscheidend: Mindset, Technologie und Geschwindigkeit. Nur wer das richtige, agile Mindset mitbringe und neue Technologien richtig einsetze, könne im Zeitalter der Digitalisierung erfolgreich sein. Beides nütze aber nichts, wenn die Geschwindigkeit nicht stimme: „Man kann ein noch so tolles Mindset haben, man kann sehr gute Technologien einsetzen – aber die Challenge ist die Geschwindigkeit“, erklärt Salman. Die entscheidenden Frage lautet dementsprechend: Wie schnell können wir forschen, entwickeln, umsetzen, testen, probieren, suchen? Erst wenn hier eine gewisse Geschwindigkeit erreicht sei, könne es sich ein Unternehmen leisten, auch hin und wieder Fehler zu machen.

Digitalisierung ist nicht gleich Home Office

Während die drei genannten Aspekte für Salman ganz entscheidend mit der Digitalisierung zusammenhängen, haben andere Faktoren eine weit weniger wichtige Bedeutung. So etwa das Thema „Home Office“. Das orts- und zeitunabhängige Arbeiten sei zwar ein Aspekt, der im Zuge der Digitalisierung durchaus bei einigen Unternehmen eingeführt werde. Es gebe aber zahlreiche Beispiele, in denen das Home Office trotz Digitalisierung nicht oder zumindest noch nicht möglich sei, etwa in konservativen Betrieben mit Schichtarbeit.

Entscheidend sei hier wie auch in anderen Unternehmen, dass man alle Mitarbeiter mitnimmt und ein Klima schafft, das jeden Kollegen zufriedenstellt. Das könne zur Folge haben, dass alle Kollegen solange vor Ort im Unternehmen anwesend sein müssen, bis eine Home-Office-Lösung für alle Mitarbeiter gefunden worden ist. Gerechtigkeit ist hierbei also das entscheidende Schlagwort. Gleichzeitig ist eine solche Lösung nicht als Ultima Ratio anzusehen, sondern als eine vorläufige Maßnahme. Wichtig sei, dass das Unternehmen weiter forsche und ausprobiere, um auf diese Weise vielleicht doch noch Mittel und Wege zu finden, Home-Office-Möglichkeiten oder andere Ausgleichsmaßnahmen für alle Mitarbeiter zu schaffen.

Der erste Schritt zur Digitalisierung: Erkennen, dass man handeln muss

Eine der größten Herausforderungen mit Blick auf die Digitalisierung ist laut Salman zunächst einmal die grundlegende Erkenntnis, dass eine Digitalisierung des eigenen Unternehmens überhaupt notwendig ist. Denn viele Unternehmer würden keinen Grund für eine Digitalisierung sehen, solange ihre Auftragsbücher voll seien. Dabei übersehen sie laut Salman jedoch, dass die digitale Transformation ganze Geschäftsmodelle in nur wenigen Jahren obsolet werden lassen kann. Wichtig sei deshalb, in Zahlen nachzuweisen, wie sich Branchen und Geschäftsfelder in den kommenden Jahren entwickeln werden und die Unternehmer auf diese Weise zum Handeln zu bringen.

Investieren und Vertrauen als zentrale Hürden

Die zweite zentrale Herausforderung ist Salman zufolge das Investieren und damit verknüpft auch das Thema „Vertrauen“. Denn neue IT ist nicht nur teuer. Man investiert auch in eine bloße Idee und in eine Person, die man zuvor in der Regel nicht kennt, in der Hoffnung, dass diese Person die eigene Idee „richtig“ umsetzen werde. Es müsse also ein enormer Kosten- und vor allem Vertrauensvorschuss seitens der Unternehmen geleistet werden.

Networking und Akquise in ländlichen Regionen

Die dritte große Herausforderung, der sich Unternehmen gegenübersehen, ist das Thema „Vernetzung“, also die Frage, wie ein Unternehmer die geeigneten Partner findet, um die Digitalisierung voranzutreiben. Insbesondere für Mittelständler in ländlichen Regionen kann das eine enorme Hürde darstellen. Im Interview gibt Salman Tipps, wie er das Problem aus seiner Sicht – also von der anderen Seite aus – angeht und sich selbst als Sparringspartner und Berater im Bereich Digitalisierung positioniert.

Um Öffentlichkeit zu erzeugen und Unternehmer auf das Potenzial der Digitalisierung aufmerksam zu machen, plant er beispielsweise einen Podcast, der sich speziell an Mittelständler in der Oberpfalz richtet. Bei diesem sollen unter anderem Fördermöglichkeiten besprochen, aber auch KMU-Paradebeispiele vorgestellt werden, die durch die Digitalisierung einen enormen Sprung nach vorne gemacht haben. Die Idee dahinter: Es soll gezeigt werden, wie riesig die Möglichkeiten sind, die durch die Digitalisierung geschaffen werden können. Und es soll veranschaulichen: Wenn die das schaffen, können wir das auch!

Zudem sei es wichtig, Unternehmen zu Vorträgen einzuladen und sie gegebenenfalls auch direkt vor Ort zu besuchen. So könne schnell analysiert werden, wo Digitalisierungspotenziale liegen. Das Ganze könne zudem mit Fördermöglichkeiten und Investoren verbunden werden, indem aufgezeigt wird, welche Wachstumsmöglichkeiten in dem gegebenen Unternehmen mit Hilfe der Digitalisierung stecken. Auf diese Weise, so Salmans Kalkül, könne die Geschwindigkeit des Veränderungsprozesses noch einmal drastisch gesteigert werden. Und das ist, wie Salman immer wieder betont, ja letztlich der wesentliche Faktor, wenn es um die erfolgreiche Digitalisierung von Unternehmen geht.

Viel Spaß beim Zuhören!

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