Je digitaler unsere Welt wird, desto wichtiger ist der Mensch – davon ist Sascha Adam überzeugt. Adam ist selbstständiger Sparringspartner und Interimsmanager für digitale Transformationsprozesse. Als solcher begleitet er Unternehmen bei der Digitalisierung uvnd findet gemeinsam mit ihnen Lösungen für die damit einhergehenden Herausforderungen. Im Interview mit Nils erläutert er die drei Phasen der Digitalisierung und erklärt, warum der Mensch zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Drei Phasen der Digitalisierung

Adam gliedert die Digitalisierung in drei Phasen. Die erste Phase habe vor rund 10 bis 15 Jahren begonnen. Damals sei es vor allem um Themen wie große CRM-Systeme und SAP gegangen. Im Zentrum standen die Automatisierung von Prozessen mithilfe von Standardsoftware mit dem Ziel der Effizienzsteigerung.

Vor etwa 5 bis 7 Jahren hat dann laut Adam die zweite Phase der Digitalisierung, die digitale Transformation, eingesetzt. Unter Transformation versteht Adam einen Paradigmenwechsel, bei dem das eigene Denken und der eigene Blickwinkel komplett verändert werden: „Wir müssen heute ganz anders auf die Herausforderungen und Lösungen gucken als früher“, meint Adam und veranschaulicht das am Beispiel neuer Geschäftsmodelle: „Ich kann viele Schulungen machen zur Plattformökonomie oder zu heutigen Abo-Modellen. Alles schön und gut. Aber das Entscheidende ist, wirklich zu verinnerlichen, dass wir nicht an einzelnen Stellschrauben drehen, sondern dass sich das gesamte System daran anpassen muss.“ Es gehe darum, wirklich aus unserer Komfortzone herauszugehen, das eigene Ego zurückzunehmen und zu verstehen, dass wir tatsächlich jeden Tag Neues dazulernen.

Die dritte, gerade anbrechende Phase der Digitalisierung schließlich sei die Phase der Automatisierung im Zuge von Machine Learning, Künstlicher Intelligenz und IoT: „Systeme werden immer mehr in der Lage sein, Dinge selbstständig, autonom abwickeln zu können“, so Adam. Im Zuge dieser Übernahme von Prozessen durch Algorithmen wird sich die Art und Weise, wie wir mit Maschinen interagieren, noch einmal dramatisch wandeln. „Diese Algorithmen werden teilweise Entscheidungen treffen für Prozesse, für die wir verantwortlich sind“, erläutert Adam. Entsprechend müsse man ein enormes Vertrauen in die Algorithmen haben. „Denn“, so Adam, „ich kann mit so einem Algorithmus nicht wirklich kommunizieren.“

Der Mensch im Mittelpunkt

Wichtig zu betonen ist Adam, dass die digitale Transformation ein hochindividueller Prozess ist. Es gehe immer darum, genau zu schauen, wo ein Unternehmen und die Menschen, die darin arbeiten, gerade stehen, und dann die (neuen) Prozesse genau darauf abzustimmen. Zudem sei es essenziell, die Menschen wirklich zu integrieren: „Es geht nicht darum, einfach eine neue Software einzusetzen. Es ist immer die Frage, wie du es tust“, ist Adam überzeugt. Das bedeutet laut Adam auch, dass man bestimmte Entscheidungen nicht ohne Rücksicht auf Verluste durchziehen sollte. Wichtiger sei es hingegen, die Menschen zu befähigen, Dinge selbstständig voranzutreiben und mitzuwachsen, sie zu „enabeln“.

Gleichzeitig stellt Adam klar, dass diese Transformationsprozesse keineswegs immer reibungslos ablaufen: „Das ist kein Change-Programm, sondern hat oft auch mit Konflikten zu tun.“ Da gehe es oft emotional zu, weil man plötzlich merke, dass man mit dem bisherigen Denken nicht weiterkomme – und das sei kein schönes Gefühl.

Das Positivbeispiel Microsoft

Die digitale Transformation und der damit einhergehende Kulturwandel stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Ein Unternehmen, dass diese Herausforderungen mit Bravour gemeistert hat, ist Adam zufolge Microsoft. Unter der autokratischen Führung von Steve Ballmer habe der Konzern viele strategische Fehlentscheidungen getroffen. Satya Nadella habe es dann innerhalb von nur zwei Jahren geschafft, Microsoft zu transformieren und zukunftsfähig zu machen: „Er hat es geschafft, das Unternehmen und seine Kultur in Richtung Cloud zu führen, indem er die Software für alle Endgeräte und Betriebssysteme geöffnet hat“, bringt es Adam auf den Punkt. Für die Kunden sei das logisch gewesen, für ein Unternehmen wie Microsoft aber ein riesiger Schritt.

Viel Spaß beim Zuhören!

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