Das Coronavirus stellt unsere Welt gerade ordentlich auf den Kopf. Auch an den deutschen Unternehmen – vom Kleinbetrieb bis zum Konzern – gehen die Maßnahmen gegen das Virus nicht spurlos vorbei: Kurzarbeit, Homeoffice, Umsatzeinbrüche und eine ungewisse Zukunft. Das sind nur einige der Folgen. Doch die aktuellen Zustände könnten auch positive Effekte haben.

In unserer zweiten Corona-Sonderausgabe sprechen wir mit Petra Carlsen, Inhaberin der changemanufaktur. Sie berät Firmen, Führungskräfte, Teams und einzelne Mitarbeitende zu den Themen „Digital Leadership“ und „Change“. Im Interview mit Nils gibt sie Tipps, was Unternehmenslenker jetzt tun können, um mit den plötzlichen Veränderungen bestmöglich umzugehen. Zudem erklärt sie, wie man die Mitarbeitenden sinnvoll durch die Krise begleitet.

Eine Veränderung, der wir ausgeliefert sind

Unserer Gesellschaft, den Unternehmen und den einzelnen Menschen wird aktuell allerhand abverlangt. Über Nacht scheinen wir in einer komplett anderen Wirklichkeit zu leben. Firmenlenker und Führungskräfte stellt das vor ungeahnte Herausforderungen. Zwar sind Veränderungsprozesse in Unternehmen meistens mit Hürden und Unwägbarkeiten verbunden. Typischerweise werden diese Veränderungen aber von den Unternehmen selbst angestoßen: Der Veränderung geht eine konkrete Planung voraus, etwa was zeitliche Umsetzung oder finanzielle und personelle Ressourcen betrifft, und es gibt klar definierte Ziele.

Bei der Corona-Pandemie ist das anders: Hier erleben wir alle eine Art von Veränderung, die uns aufgezwungen wird und der wir in gewisser Weise ausgeliefert sind. Und: „Alles, was momentan passiert, ist für jeden von uns neu“, erklärt Carlsen. Wir haben keine Erfahrung damit, sondern lernen gerade gemeinsam – und zwar global. Für Arbeitgeber und Führungskräfte bedeutet das: Auch sie können aktuell wenig tun, außer informiert zu bleiben und dann für den eigenen Mikrokosmos „Unternehmen“ überlegen, welche Maßnahmen heute sinnvoll sind, damit es die Firma morgen noch gibt.

Klar, offen und ehrlich kommunizieren

Ein Arbeitgeber kann nicht prognostizieren, wie die Zukunft aussehen wird, meint Carlsen. Das müsse er aber auch gar nicht. Wichtig sei allein, dass er mit seinen Mitarbeitenden kommuniziere – und das am besten täglich. Schließlich ändere sich auch die Sachlage täglich. Deshalb sollte man möglichst jeden Morgen das Gespräch mit dem Team suchen.

Dabei darf man laut Carlsen ruhig über die eigenen Ängste und Sorgen sprechen. Gleichzeitig sollte man aber unbedingt auch Chancen und Perspektiven aufzeigen. Darüber hinaus sei es wichtig, klare Ansagen zu machen und konkrete Ziele vorzugeben. Denn es sei unabdingbar, Orientierung zu bieten in dieser chaotischen Zeit.

Und schließlich sollte man die Mitarbeitenden einbeziehen und sie ganz konkret fragen, was sie jetzt brauchen und wo sie sich Unterstützung wünschen. Zu einer guten Kommunikation gehöre dementsprechend auch, stets ein offenes Ohr zu haben und wirklich zuzuhören.

Entscheidungen treffen – und eventuell revidieren

Neben der klaren und offenen Kommunikation müssen Führungskräfte laut Carlsen jetzt auch bereit sein, schnell Entscheidungen zu treffen. Und sie müssen den Mut haben, diese Entscheidungen immer wieder zu hinterfragen, anzupassen, gegebenenfalls wieder zu revidieren oder aber „noch eine Schippe draufzulegen“, so die Expertin.

Als positives Beispiel hierfür nennt sie die Bundesregierung, die die Maßnahmen stets der neuen Faktenlage anpasst. Wichtig dabei sei, sich immer wieder klar zu machen, dass man als Arbeitgeber nicht prognostizieren muss, was du Zukunft bringt. Die Rolle des Arbeitgebers sei lediglich, vorausschauend zu denken und jeden Tag fähig zu sein, Entscheidungen zu treffen und diese verständlich zu vermitteln.

Die Krise als Chance

Für Unternehmen, die schon vor der Coronakrise eine offene Kultur gelebt haben, mögen die genannten Aspekte vergleichsweise leicht umzusetzen sein. Firmen mit einer weniger offenen Unternehmenskultur könnten sich hingegen durchaus schwertun mit den aktuellen Anforderungen. Gleiches gilt für Firmen, die dem Homeoffice und dem mobilen Arbeiten bislang eher skeptisch gegenübergestanden haben. Gerade für diese Unternehmen könnte die aktuelle Krise aber auch eine riesige Chance sein.

„Manchmal ist es auch gut, wenn sich Menschen plötzlich bewegen müssen“, ist Carlsen überzeugt. Und die derzeitigen Umstände würden uns gar keine andere Wahl lassen, als zu reagieren. Denn wer jetzt noch am Alten festhält, wird nicht weiterkommen.

Für Führungskräfte bedeutet das: Sie haben jetzt die Chance und Pflicht, gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden zu lernen und neue Wege einzuschlagen. Auf Führungsebene heißt das, dass man nun lernen müsse, loszulassen und den Untergebenen zu vertrauen. Auf Ebene der Mitarbeitenden wiederum bedeute es, dass sie jetzt ihre Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten aktivieren müssten – auch und gerade, wenn das bislang eher wenig von ihnen gefordert wurde.

Aufbau einer wahrhaftigen Vertrauenskultur

Und noch einen weiteren Vorteil kann die aktuelle Lage mit sich bringen: Die Corona-Pandemie ist die ultimative Chance, eine wahrhaftige, tiefgreifende Vertrauenskultur im Unternehmen aufzubauen. Dafür ist es laut Carlsen zum einen wichtig, Entscheidungen einzig und allein zum Wohle der Firma und der Mitarbeitenden zu treffen – und nicht um des eigenen Fortkommens Willen.

Zum anderen sei es zentral, wirklich feinfühlig mit den Kolleginnen und Kollegen umzugehen. Denn, so Carlsen, Corona ist die Bedrohung für den Menschen. Es ginge hier tatsächlich in einigen Fällen um Leben und Tod und neben der Angst um den Job würden sich viele auch um ihre Gesundheit und das Leben der engsten Familienangehörigen Sorgen machen. Daher müsse in einer Krise wie dieser letztlich immer der Mensch im Mittelpunkt stehen.

Oder wie es Carlsen lapidar ausdrückt: „Scheiß auf den Umsatz, wenn ich dafür aber meine Mitarbeiter mitnehme und Vertrauen aufbaue und ihnen das gute Gefühl gebe, dass wir gut durch die Krise kommen.“

Viel Spaß beim Zuhören!

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