Agiles Arbeiten – das verbinden die meisten mit Start-Ups, jungen Branchen und insbesondere mit der Softwareentwicklung. Doch Agilität kann in allen Unternehmen, Branchen und Bereichen genutzt werden – auch in sehr traditionellen.

Wie das geht, zeigt Enno Stöver. Er ist Professor für Maschinenbau und Produktion an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW). Sein Spezialgebiet ist die Umformtechnik. Ein Thema, das ihn dabei ganz besonders interessiert, ist die Frage, wie man mehr Agilität in diesen relativ konservativen Bereich des Maschinenbaus bringen kann.

Zeitaufwendig und kostenintensiv

Mit dem Begriff der Umformtechnik verbinden die meisten Menschen Stahl- und Walzwerke, wie sie insbesondere im Automobilbau zum Einsatz kommen. Grundsätzlich gilt Umformtechnik als ein Bereich, der von sehr starren Prozessen und einer vergleichsweise unflexiblen Produktion geprägt ist. Denn viele Werkzeuge, die in der Umformtechnik Anwendung finden, passen nur zu exakt einem Bauteil: „Das heißt, ich habe eine Eins-zu-eins-Beziehung zwischen Werkzeug und Werkstück“, erklärt Stöver. Das wiederum habe einen äußerst aufwendigen Entwicklungsprozess zur Folge, der sowohl sehr kosten- als auch zeitintensiv sei. Gerade dieser lange Entwicklungsprozess bietet laut Stöver aber eine große Chance für mehr Agilität durch Sprint, Scrum und Iteration.

Anwenderfokus, Beschleunigung und Transparenz

Dennoch sind viele Kunden im Hardware-Bereich immer noch skeptisch, was Sinn und Nutzen des agilen Vorgehens betrifft. Deshalb ist es laut Stöver umso wichtiger, den Kundenbezug ganz klar in den Vordergrund zu stellen. Wenn er beispielsweise User Stories formuliert, konzentriert sich Stöver daher ganz konkret darauf, welchen Vorteil ein spezifisches Werkzeug für den späteren Anwender bietet. Diese Fokussierung auf den, der das Werkzeug schließlich tatsächlich benutzt, sei bereits ein entscheidender Vorteil der Agilität.

Darüber hinaus kann Agilität den gesamten Entwicklungsprozess massiv beschleunigen. Denn durch das agile Vorgehen kann ein entwickeltes Werkzeug schon für die Produktion genutzt werden, während es parallel dazu weiterentwickelt und optimiert wird. Außerdem entfällt die überbordende Dokumentation: Man kommt schneller ins Tun und sieht direkt in der Anwendung, ob etwas funktioniert oder ob es angepasst werden muss.

Ein letzter, entscheidender Vorteil der Agilität ist die Transparenz. Viele Projekte würden ursprünglich ohne iterative Schleifen geplant und müssten diese dann nachträglich einbauen. Viel sinnvoller sei es deshalb, von vornherein mit iterativen Schleifen im Sinne eines agilen Projektmanagements zu planen. Auf diese Weise würde man nämlich nicht nur schneller zum Ziel kommen, sondern sich auch viel Stress ersparen.

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